Der Verein Django Reinhardt Kultur- & Beratung soll helfen, Barrieren zu der sogenannten "Mehrheitsgesellschaft" abzubauen.
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Musik hat eine starke integrative Kraft


Der Zweite Vorsitzende der Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz und Leiter der Musikschule „Django Reinhardt Music Friends“ war zu Gast bei der Veranstaltungsreihe „60 Minuten – SPD im Dialog“ – Integration der ersten und zweiten Generation ist oft schwierig


















Koblenz. Zwei Tage vor dem Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands 1945 und der Befreiung Europas und auch Deutschlands von der Naziherrschaft hatte der Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger gemeinsam mit David Langner, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Koblenz, einen besonderen Gast zur Veranstaltungsreihe „60 Minuten – SPD im Dialog“ eingeladen: Django Reinhardt.

Den Koblenzern ist der Musiker nicht nur durch seine „Gipsy Christmas“ und weiteren musikalischen Veranstaltungen bekannt. Als Zweiter Vorsitzender der Sinti und Roma in Rheinland-Pfalz ist er auch mit seiner Musikschule „Django Reinhardt Music Friends“ im kulturellen und sozialen Leben engagiert und fester Bestandteil. Mit ihm war Helmut Gräwen gekommen, der Vorsitzende des Vereins Django Reinhardt Kultur und Beratung ist.

Eindrucksvoll schildert Reinhardt die Geschichte seiner Familie und seines Vaters, der, nachdem er zuerst nach Ravensbrück deportiert und anschließend in verschiedene Konzentrationslager verschleppt, mit 13 Jahren aus dem Konzentrationslager befreit worden war. Viele seiner Familienmitglieder überlebten diese Zeit aber nicht. „Trotz der Erfahrungen und Verluste, die mein Vater und meine Familie durch die Nationalsozialisten erleiden musste, empfand er nie einen pauschalen Hass oder Verbitterung gegen Deutschland oder ,die Deutschen'“, sagte Reinhardt, der anfügte, dass dies auch an der schnellen Integration seines Vaters in Koblenz gelegen haben könnte. Ein entscheidender Schritt zur Integration ging über den Sport und einen Willen, sich in die Gesellschaft einzugliedern, ohne aber die eigene Identität aufgeben zu müssen.

„Integration ist ein ständiger Prozess. In meinem Beratungsbüro erlebe ich gegenwärtig einen Wandel innerhalb der Community der Sinti und Roma, weg vom Image des Schrottelers. Die junge Generation ist sehr viel zielstrebiger und hat einen starken Aufstiegsgedanken in sich. Die junge Generation ist jetzt wieder derart integriert, wie wir es vor dem Krieg waren“, so Django Reinhardt, der in seinem Beratungsbüro eher mit den Problemen der ersten und zweiten Generation nach dem Krieg konfrontiert ist.

„Wichtig sei das Beratungsbüro auch deshalb, weil Sprachen wie Rumänisch, Bulgarisch oder Ungarisch abgedeckt werden. Das ist gerade mit Blick auf die Kooperation mit Solwodi, Solidarity with Women in Distress, ein entscheidender Vorteil. Leider gibt es noch immer viele Frauen aus diesen Ländern, die hier zur Prostitution gezwungen werden. Hier versuchen wir, Alternativen für ein Leben außerhalb der Prostitution aufzuzeigen“, so Helmut Gräwen.

Djangos Kernanliegen ist aber noch immer, in die Sinti und Roma Community hineinzuwirken. Sein Vorteil hierbei, dass er die Familien persönlich kenne und ihre Sprache spreche, was er bewusst doppeldeutig meint. Wichtig ist ihm hierbei natürlich sein Projekt der sozialen Musikschule, mit der er Kinder von der Straße hole und im Unterricht eine neue Perspektive gebe. „Musik hat eine ganz starke integrative Kraft.“

Positiv bewertete Reinhardt auch das Engagement der Stadt, welches er im Vergleich zu anderen deutschen Städten beispielhaft nannte.


RZ Sonderausgabe Wir von hier - 26.05.2017

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